Kanada arbeitet an einer Lösung für das Nord-Stream-1-Problem

Eine bei Nord Stream 1 fehlende Turbine kann wegen der Sanktionen nicht von Kanada nach Russland geliefert werden. Kanada will aber einen Weg finden.


Tobias Mayer

Rohre von Nord Stream 1 in Lubmin, Deutschland, am 8. März 2022.Foto: REUTERS/Hannibal Hanschke

Die Pipeline Nord Stream 1 ist die wichtigste Ader, um die Europäische Union mit Erdgas aus Russland zu versorgen. Ausgerechnet sie hat derzeit nur eine Kapazitätsauslastung von 40 Prozent.

Damit verschärft sich auch in Deutschland, wo Wirtschaftsminister Robert Habeck am Donnerstag die Alarmstufe des Notfallplans Gas ausgerufen hat, die Lage am angespannten Gasmarkt weiter.

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Als Grund für die reduzierte Leistung der Pipeline Nord Stream 1 gibt Russland an, dass eine zur Wartung nach Kanada geschickt Siemens-Turbine nicht wieder zurückgeschickt worden sei.

Die Turbine darf wegen der gegen Russland verhängten Sanktionen infolge des Ukraine-Kriegs nicht zurückgeschickt werden, wie die Firma Siemens Energy bestätigte.

Kanada im Dilemma

Kanada steht damit vor einem Dilemma. „Wir wollen die Sanktionen respektieren, denn die gibt es aus einem guten Grund“, zitiert „Bloomberg“ des kanadischen Energieministers Jonathan Wilkinson. „Andererseits ging es bei den Sanktionen nie darum, Deutschland signifikant zu treffen, das Land ist einer unserer engsten Freunde und Verbündeten. Das Thema beschäftigt uns also sehr.“

Warenströme, die Herstellung und sogar die Wartung von Geräten sind globalisiert, daher treffen die Wirtschaftssanktionen gegen Russland auch den Westen selbst. Die russische Öl- und Gasindustrie wird von den Ländern, die die Sanktionen mittragen, derzeit nicht mit wichtiger Technik versorgt. Darunter fallen auch die Turbinen, die Siemens in Kanada herstellt und dort regelmäßig wartet.

„Wir sind mit Deutschland im Gespräch und versuchen, einen Weg zu finden, mit dem wir den Durchfluss des Gases wieder ermöglichen können“, erklärt der kanadische Minister. „Es könnte unterschiedliche Möglichkeiten dafür geben“. Dazu möchte er auch den am Sonntag beginnenden G7-Gipfel in Elmau nutzen, rechnet aber bis zum Ende des Treffens nicht mit einer Lösung.

Gaslieferungen wurden drastisch reduziert, verdient wird dennoch gut

Laut Informationen des Preis-Informationsdiensts ICIS verdient das russische Gasunternehmen Gazprom derzeit etwa 100 Millionen Euro pro Tag mit Erdgasverkäufen nach Europa. Das ist etwa so viel wie vor einem Jahr – wobei nur noch ein Viertel so viel Gas verkauft wird.

Wie Tom Marzec-Manser, Gasmarktchef des Analysedienstes ICIS in London, gegenüber Tagesspiegel Background sagte, gäbe es für Russland durchaus eine Möglichkeit, Europa trotz des technischen Problems bei Nord Stream 1 wie vereinbart mit Gas zu versorgen.

„Die Alternative ist das ukrainische Netz“, erklärt er. Demnach könne der Lieferengpass sehr wohl als politische und wirtschaftliche Entscheidung des Kremls gedeutet werden. (mit Reuters, dpa)

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